weil sie es schreibt, bringt sie mich darauf, endlich zu schreiben, was ich seit monaten denke. nicht mehr ich, nicht mehr ansatzweise. wieso hab ich mir das haar dunkel gefärbt, wieso wollte ich mich verleugnen, jemand sein, der ich nicht bin und nicht sein kann. immer unglücklich seither. und dann, am ende des sommers, mir die haare abschneiden lassen für die frisur, die eine andere für mich ausgesucht hat. haare abschneiden, galt das nicht mal als größte öffentliche demütigung der frau?

ich will mein altes haar zurück. lang, so lang. mit der nichtssagenden farbe. straßenköterblond. vermisse es, ehrlich. jeden tag in den spiegel schauen und denken das bin ich nicht, nicht ich.

nackt fühle ich mich ohne es. wie eine puppe, die man nach belieben gestalten kann – nicht man, sondern ein anderer.

natürlich war es seinetwegen, damals, als ich das haar zum ersten mal abschnitt. natürlich war es seinetwegen, dass ich es fast schwarz färbte. und seither kein zurück. und ewig er in meinem haar, in jedem gedanken. vergiftet mich mit dunkelbrauner anwesenheit, so sehr, dass ich nur versuchen kann, ihn abzustoßen.

so wie er mich abstößt. »ich melde mich«, das sagt er jedes mal, aber er hat viel zu viel angst, dass er sich erinnern könnte. an die felder und an uns dazwischen, hand in hand; als wir auf der bank saßen, die finger ineinander verschränkt und schließlich… der abend, als die wolken so unwirklich schnell über den himmel schossen, die sterne blinkten und der wind mich in seine arme trieb. und seine finger in meinem haar, in meinem blonden haar. an die gasse, in der wir uns verabschiedeten.

oder dass er sich an den abend erinnern könnte. als meine welt zerbrach (ich dachte immer, das ist eine schlechte metapher, aber es hat sich tatsächlich so angefühlt, alles fiel einfach auseinander, ich hatte endlich das glück gefunden und es zerbrach wie festgetrockneter sand, der plötzlich wieder auseinanderrinnt, zwischen den fingern hindurch), als mich das ganze erdrückte und ich hab keine ahnung, wie ich es in ihre arme geschafft hab, ich hab keine luft mehr bekommen und alles tat so weh, der gedanke, dass ich dir so viele chancen gegeben habe und du mir keine einzige, das hat mich zerfetzt.

dass er sich an irgendetwas erinnert. dass er sich an mich erinnert.

und dass er erkennt, dass jetzt alles falsch ist.

er hat mich vergiftet.

und ich will wieder von vorn anfangen, wieder blond. wieder ich.

10.10.08 11:34


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